Prinzengeburtstag

Der Prinz hat von mir – wie im letzten Jahr – eine persönliche Führung bekommen. Diesmal sind wir an unserem Wohnort Worms geblieben.

Worms war vor allem 12. Jahrhundert eine der größten und wichtigsten jüdischen Gemeinden und Hochschulen der Welt. Es gibt hier den ältesten jüdischen Friedhof Deutschlands, und Worms besitzt eine kleine Synagoge und eine Mikwe (rituelles Badebecken mit Quellwasser). Die Synagoge wird regelmäßig für Gottesdienste und Versammlungen genutzt, die kleine jüdische Gemeinde ist recht aktiv und hin und wieder benutzt auch jemand die Mikwe.

So habe ich mit einer sehr netten und hervorragend informierten Fremdenführerin den Termin für den Prinzen und mich gemacht. Der Prinz war recht überrascht, als ich ihn zur Synagoge schleifte und eine fremde Frau ihm zum Geburtstag gratulierte. Er freute sich aber dolle, als sie ihm erklärte, was jetzt auf ihn zukäme.

Leider hat der häßliche kleine Österreicher mit dem Größenwahn im 2. Weltkrieg die Altstadt von Worms plattbomben lassen. Heute existieren nur noch einige kleine Häuschen, vor allem Fischerhäuschen, in den alten Gässchen, und Teile der Stadtmauer sowie in der Judengasse einige alte Häuser, die im Mittelalter keine Nummern, sondern Zeichen hatten: einen Hasen, einen Bären, einen Hirsch, einen Affen. Daran erinnern noch das Café Affenhaus oder die Kneipe zum Schwarzen Bären.

Alles andere ist weg. Der Friedhof ist erstaunlicherweise unberührt geblieben. Die jetzige Synagoge stammt aus der Zeit nach dem Krieg, beim Bau sind aber viele Reste aus dem alten Gebäude verwendet worden, wie Türbögen und anderes.

Wir besichtigten die Synagoge, die Führerin erklärte, wie ein Gottesdienst abläuft, wer wo sitzt und steht, w die Thorarollen liegen und vieles mehr. Die Mikwe liegt, da sie aus Quellwasser gespeist wird, unterirdisch und ist weitgehend im Original erhalten, bis auf ein paar Ausbesserungen im Gemäuer. Sie besteht aus einem Wasserbecken, in das Stufen hineinführen. Das rituelle Bad erfordert, dass man einmal komplett untertaucht, bis hin zum letzten Haar. Frauen mussten bzw. müssen das nach jeder Menstruation tun und ich stellte mir mit Schaudern vor, wie das wohl im Winter gewesen sein muss – es war jetzt schon sehr kalt da unten, bei der Julihitze.

Die Führung über den Friedhof war ebenfalls spannend, wir kannten ihn zwar von Spaziergängen, aber wenn man zu einigen Gräbern und Steinen auch die Geschichte hört, ist das doch etwas ganz Anderes. Außerdem konnten wir viele Fragen stellen, was in einer größeren Gruppe nicht so gut möglich gewesen wäre.

Nach der Führung waren wir im Tivoli essen, einem sehr guten Italiener, zu dem ich auch meine nordischen Freunde ausführen werde, wenn sie mal wieder in Worms sind. Der Prinz hatte Lust auf ein Eis bei Frau Nigri. Das Eiscafé Nigri ist unsere Anlaufstelle in Speyer. Nach dem Eis in Speyer wünschte sich der Prinz einen Trip nach Frankfurt.

Eigentlich ist Frankfurt für mich der Inbegriff von Horror und ich betrete diese Stadt niemals freiwillig. Aber der Prinz hatte vor kurzem die Bergerstraße in Bornheim entdeckt, eine wirklich bezaubernde Straße mit interessanten Läden und tollen kleinen Restaurants. Herrliches, leicht südliches Ambiente voll Gelassenheit und Buntheit. Etwas alternativ, aber mit Klasse. Gemütlich.

Wir wanderten eine Weile hindurch, ich hätte beinahe einen Sarotti-Mohr aus Porzellan gekauft (war dann leider doch zu teuer) und blieben zum Abendessen in einem schönen spanischen Restaurant, wo ich eine wundervolle Rote-Bete-Kokos-Suppe aß.

Erst als wir im Auto saßen, fing es an zu regnen. Nett, nicht wahr? Genau abgepasst.

Der Prinz war hochzufrieden mit diesem Tag und ich hab ihn auch sehr genossen.

5 thoughts on “Prinzengeburtstag

  1. Lobo: ja, das Wetter hat auch hervorragend mitgespielt. Nicht so wie bei mir im Februar – saudoofer Geburtstagsmonat, man kann nix Gescheites machen!

    Ente: der Prinz meinte „etwas Kultur und lecker Essen, dann ist es ein toller Geburtstag“ :))
    Ich finde persönliche Führungen auch klasse, da darf man auch gerne wiederholen, solange das Thema anders ist, oder?

  2. Ach was, Februar ist ein toller Geburtstagsmonat, weil da nur tolle Leute geboren wurden/werden. 😀

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