Telefonate

So, ich habe das jetzt ein paar Tage im Kopf herumbewegt und möchte mal ganz klar was sagen:

Ich blogge, doppelt sogar. Privat und geschäftlich.

Damit begebe ich mich virtuell in die Öffentlichkeit. Damit kann eine beliebig große Anzahl von Menschen, deren Menge ich nicht beeinflussen kann (es sei denn durch Kennwort, aber dann muss ich nicht bloggen) an meinem Leben teilnehmen. Besser gesagt: an dem winzigen Bruchteil-Ausschnitt meines Lebens, den ich hier preiszugeben bereit bin.

Das ist in Ordnung für mich – sonst wäre Bloggen sinnlos. Wenn ich nicht schreibe, explodiert mein Kopf und ich tausche mich gerne mit Menschen aus.

Wer mit mir Kontakt aufnehmen möchte, kann das über die Mailadresse tun, die beim Opossum steht.

Stinkig werde ich dann, wenn jemand unter einem dummen und äußerst durchsichtigen Vorwand bei mir anruft und damit versucht, in meinen Privatbereich einzudringen. Da werde ich sehr, sehr stinkig.

In diesem Fall kam der Anruf auf den AB der neuen Praxis-Telefonnummer, gefunden auf meiner Webseite. Der Vorwand war, mir Fragen über einen meiner Geschäftspartner stellen zu wollen. Ich habe sofort gespürt, dass mit dem Mann was nicht stimmt und dass er lügt,  habe aber nach Rücksprache mit dem betreffenden Geschäftspartner dennoch mit dem Anrufer gesprochen – hätte ja sein können, dass mein Bauch sich täuscht und dann wäre eventuell meinem Geschäftspartner ein Auftrag entgangen.

Aber – wie das auch mit den Fußfetischisten und ihren Täuschungsmanövern ist – mein Bauch hatte recht. Der Mann hatte keinerlei Fragen, er hat sich mühsam mit viel öööhm und äääm eine Wischiwaschi-Frage aus den Fingern gesogen und dann noch die ewige „Bekannte“ vorgeschoben. Ja nee, is klar. Details über sich hat er erst widerstrebend nach deutlicher Nachfrage von mir preisgegeben. Er sei Leser meiner Blogs. Na und?

Leute – sowas dulde ich nicht und mich macht das wütend. Was soll das? Sollte das einen besonderen Kick geben, mit mir zu telefonieren? Es war klar, dass der Mann geglaubt hatte, das Gespräch würde von alleine laufen, ganz offenbar hat er nicht damit gerechnet, dass ich das Gespräch führe und ihm Fragen stelle. Besonders höflich war ich auch nicht.

Außerdem, meine lieben Leser, bin ich eitel. Nicht wegen meines Aussehens, sondern ich bilde mir ein, ziemlich intelligent zu sein. Da beleidigt es mich schon, wenn so ein Mensch mir deutlich zeigt, dass er mich für naiv hält und glaubt, er könne mich mit überschwenglicher Begrüßung à la wir sind alte Freunde und haben uns seit Jahren nicht gesehen einwickeln.

Expressis verbis: dass ich blogge, gibt niemandem das Recht, in meine Privatsphäre einzudringen.

Es gibt einige Menschen in der Bloggerwelt, mit denen sich im Laufe der Jahre eine schöne Bekanntschaft entwickelt hat und bei denen ich mir ein Bein abfreue, wenn ich sie mal treffe. Das ist eine Bereicherung für mich und mein Leben.

Aber das steuere ich selbst und so wird es auch bleiben. Wer glaubt, dass das Lesen meiner Blogs ihm das Recht gibt, mich auch persönlich sprechen oder sehen zu müssen, der wird auf Granit beißen. Das entscheide ich. Niemand sonst.

11 thoughts on “Telefonate

  1. Dann hat der Kerl den Wink mit der Holzhandlung hoffentlich nun verstanden! Unglaublich!

  2. Na da hätte ich aber genau so viel Bock drauf, ätzend sowas.

    Mir ist nur eben eingefallen: wie wäre es denn, wenn ich dich auf der Straße träfe und sagte: „Hallo ich bin die [Blogolade] und wollte nur mal Hallo sagen“ 😀
    So unwahrscheinlich, dich irgendwann mal zu treffen ist es ja gar nicht.

  3. einfach eine bodenlose frechheit. drücke dir die daumen, dass es bei diesem mal bleibt…

  4. Ich kann das gut verstehen, dass das unangenehm ist, ungewollte anrufe sind das ja meistens. Da ist es doch viel schöner sich auf nen Kaffee in Oldenburg zu treffen. 😀

  5. Blogolade: da würde ich mich freuen! Wir haben ja eh mal ein Treffen in H. geplant 🙂

    Ente: so ist das! Bloggertreffen sind toll 🙂 Wir versuchen übrigens gerade wieder, Ende August was zu kriegen in Hasenpfote 🙂

    Herr Norden: der Geschäftspartner und ich wissen inzwischen, wer der Mann ist. Auch ein Blogger, aber das berechtigt zu nichts.

  6. …oh ha, heftig, aber nur zu wahr, was du schreibst.
    Woher nehmen sich solche Menschen das Recht, in anderer Leute Privatsphäre plump einzudringen, nur weil Teilbereiche des eigenen Lebens etwas öffentlicher sind? Ich mag solch impertinente Menschen nicht!
    Kann dich nur zu gut verstehen. Respekt für deine klaren Worte!

  7. Lese seit langem Deinen Blog (ist mit dem meiner Schwester verlinkt) und kann Dir nur zustimmen! Auch wenn ich viele interessante Dinge und Anregungen von Deinem und anderen Blogs mitnehmen kann, muß ich doch die Privatperson dahinter respektieren. Bloß weil ich ein Buch toll finde ist ja auch der Autor nicht gleich mein bester Freund.
    Das Problem mit manchen Fetischisten ist wohl, daß man sie mit Exhibitionisten in eine Schublade stecken kann und es nicht um die Anbetung eines bestimmten Körperteils geht sondern die Manipulation und Belästigung eines anderen Menschen.

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