Englisch 101

Meine allerersten Englisch-Erfahrungen:

Ich hatte gerade lesen gelernt. In meinem damals schon unstillbaren Lesehunger buchstabierte ich gnadenlos alles, was mir unter die Augen kam.

Mein Vater hatte in seiner nicht unerheblichen Körperpflegebatterie auch eine Tube BRISK.

BRISK? s – k??? Geht ja mal gar nicht, protestierte ich, S und K kann man nicht zusammen machen, das ist doch kein Wort.

Papa lachte und erklärte mir, das sei ein englisches Wort und bedeute so viel wie flott, lebhaft, munter. Weil man damit die Haare so flott aussehen lassen könne. Und da mein Papa immer sehr gepflegt und gut aussah, ließ ich das komische Wort gelten. Mein erstes englisches Wort.

Das zweite englische Wort, das ich lernte, waren eigentlich vier Worte und sie lauteten: Kammonnletzko!

Ich hielt dieses forsche Kommando, das mein nur sechs Jahre älterer Onkel mir lässig an den Kopf warf, für ein einziges Wort. Mein Onkel war für mich der Held: er konnte Drachen bauen und jetzt lernte er in der Schule sogar Englisch. Sein Englischbuch enthielt ein Mädchen namens Jane und – zu meinem großen Neid – einen Hund namens Spot.

(Ich habe erst sehr viel später erfahren, dass  „See Spot Run“ ein geflügeltes Wort in den USA geworden ist und sogar ein Film so heißt.)

Dann, im fünften Schuljahr, lernte ich endlich selbst Englisch. The cat is in the house war mein erster Satz. Wir lernten das Gedicht von Betty Botter, die some butter kauft. Weihnachtslieder wie Away in a Manger, O Come All Ye Faithful und – für uns damals der größte Spaß – The Twelve Days of Christmas. Wir lernten, dass Handschuh nicht handshoe heißt.

Der Englischunterricht ist die einzige positive Erinnerung an meine Zeit an dieser schrecklichen Schule. Die Lehrerin war sehr engagiert und ihr verdanke ich meine gute Aussprache, an der sie unermüdlich mit uns übte. (Und dass auf ewig in meinem Hirn verankert ist, dass Wilhelm der Eroberer ten-sixty-six in Hastings einfiel.)

Leider lebt Frau Beysiegel nicht mehr, ich würde ihr heute gerne danken dafür, dass sie mir die englische Sprache so lieb und wert gemacht hat.

Was waren eure ersten Englisch-Erfahrungen? Kam das in der Schule oder schon vorher?

17 thoughts on “Englisch 101

  1. Let me think… 😉
    Ich glaube die ersten Stückchen kamen in Form von Befehlen in Computerspielen… So ganz rudimentäres Zeug wie „Play“. Und dann bekam ich von meinen Eltern ein Buch geschenkt „Meine ersten 1000 Wörter Englisch“ – da muss ich in der ersten Klasse gewesen sein. Im Urlaub nach der ersten Klasse konnte ich den italienischen Kindern jedenfalls schon „My name is …“ sagen. Ab der dritten Klasse gabs dann Englisch in der Schule. Als ich mich mit den Texten der Lieder, die ich hörte auseinandersetzte, gings dann richtig rund. Seit den Sprachferien in Eastbourne mit 15 fing ich dann auch verstärkt an, auf englisch zu lesen und Filme zu schauen. (Hinzu kam auch ab etwa 14 das Internet und die Kommunikation mit Menschen aus aller Welt)…

    Achja, so ein Kammonletzgo hatte ich auch, so ähnlich. Da war ich allerdings erst so 5-6. Der Ritter Lanzelot aus „Honki im Schattenland“ sagt „He Ho, let’s go“ oder so was ähnliches…

  2. In der fünften Klasse. Und Englisch ist das einzige, das mir in meinem Leben jemals so wirklich in den Schoß gefallen ist. Ich konnte das einfach.

    Meine Gastmutter (ich war dann mit 17 für ein Jahr in Amerika und habe immer noch Kontakt), meinte mal, ich sei eine Amerikanerin, die auf dem falschen Kontinent geboren wurde — und wenn ich denn an so was glauben würde, dann würde ich das auch glauben, ;-).

    So long,
    Corinna

  3. 5. Klasse – auch 1977 gab’s noch kein Englisch in der Grundschule …

    Die erste Erinnerung: wir sollten uns alle auf Englisch vorstellen, und eine Mitschülerin mit dem ohnehin schon etwas unglücklichen Nachnamen „Schweinheim“ brachte es fertig zu sagen „My name is Birgit Pighome“. Unvergesslich.

    Ansonsten war Englisch eins meiner besten Fächer. Und Shakespeare, den alle Klassenkameraden hassten, habe ich geliebt. Meine Klausur über „Romeo & Julia“ war die Leistungskursbeste (da bin ich heute noch ein bisschen stolz drauf, weil mir das wirklich nur das eine Mal gelungen ist). – Seufz. Schulerinnerungen.

  4. Hmmmm … als 2-Jährige ca. hat mein Papa mir immer am Sonntagvormittag aus dem großen Aquarienbuch (mit unglaublich vielen, unglaublich schönen Bildern), das er aus Sydney mitgebracht hat, vorgelesen (und übersetzt natürlich, aber zuerst vorgelesen). „Du Papa was steht da?“ Das ist so lang gegangen, bis wir beide das Aquarienbuch auswendig konnten 😉 … Danach hab ich immer von seinen Dienstreisen englische Comics und Bücher mitgebracht bekommen und seit ich wirklich lesen kann, lese ich eigentlich fast nur englische Bücher. Es geht einfach derart viel Wortwitz und Sprachstil und Feinheit im Ausdruck verloren, wenns ins Deutsche übersetzt wird.

    LG, Babs

  5. Also gelernt habe ich es auch in der 5. Klasse. Aber da ich 2 ältere Geschwister habe, fielen die ein oder anderen Worte auch schonmal zuhause. Was das erste war, weiß ich nicht mehr (wie kannst du dir sowas merken?) aber so Sätze wie „how du you do“ und „see you later alligator“ – „see you soon altes Huhn“ fiele öfters. „Bye bye“ lernte ich auch schon in der Grundschule. Meine Schwester hörte auch schon die ein oder andere Kassette mit englischen Popsongs, die habe ich immer dolle beneidet, dass sie in einer fremden Sprache so gut mitsingen kann. Sie sagte ich könne das bestimmt auch bald aber ich hab ihr nicht geglaubt. Heute kann ich am besten Englisch in der Familie 😉

  6. 5. Klasse war bei mir 1996 😉
    Heute lernen die Kinder schon in der 3. Klasse Englisch.

  7. @blogolade: erste Klasse! Mein Sohn hat jetzt schon in der ersten Klasse Englischunterricht. Allerdings beschränken sich die Lektionen bisher eher auf kleine lustige Liedchen und nette Sätze wie This is a book, this is a bag, this is a bookbag. Aber immerhin.

    So long,
    Corinna

  8. Also, es war 1967, als ich echtes Landei meine ersten Englishlessons hatte, es war schrecklich – ich konnte nix. Besonders das Ti etsch… Ich weiß noch, dass ich im ersten Diktat ( was für ein Zugang zu einer Femdsprache überhaupt) nicht wusste, wie man „the“ schreibt und so stattdessen „se“ schrieb. Wie peinlich war das. Damals wurde ja viel mehr Wert auf eine orthographisch richtige Schreibung und nicht auf das flüssige Sprechen gelegt. Und heute: Mein Englisch ist nicht wirklich der Rede wert, auch wenn ich es durch den einen oder anderen Kurs in Conversation aufpoliert habe.

  9. Kammonletzko…. entzückend!

    Meine ersten englischen Ausdrücke waren ähnlich, da die Tante, bei der ich aufwuchs, lange in den Staaten gelebt hatte. So wuchs ich mit Kammon und Schattapp auf. Erst in der Schule merkte ich, dass die anderen nicht wußten, was ein Penzel ist. Ich hielt das für einen deutschen Ausdruck.

    Ja, und dann in der 5. Klasse die erste Englisch-Lektion: Dan has a flag und Dan has a ladder. Tiefschürfende Erkenntnisse…

  10. 5. Klasse, so gegen 1980.
    und 2 Jahre später Französich.
    und ich hasse es bis heute. beides.

    man sollte eine weltweite Einheitssprache einführen.
    (hab ich mir damals schon überlegt)

  11. Ich hatte Englisch erst in der 7. Klasse (~’89), weil ich mit Französisch angefangen habe. Da konnten alle Klassenkameraden schon eine Menge Wörter aus irgendwelcher Popmusik und Filmen, und ich, die ich nur klassische Musik hörte, fühlte mich ziemlich verloren.

    Der erste Satz aus dem Englischbuch, an den ich mich erinnere (nach ein paar Wochen), ist „Pete, be a Gentleman and carry the water for Gabi!“, der mich damals tierisch aufgeregt hat, emanzipiert, wie ich war.

    Im Studium habe ich dann Freunde kennengelernt, die Filme grundsätzlich im (engl.) Original geschaut haben, das hat mein Eglisch sehr verbessert und ich habe angefangen, auch Bücher möglichst im Original zu lesen. Aber ich sprach immer noch sehr unsicher.
    Das hat sich erst gegeben, als ich meinen jetzigen Lebensgefährten kennengelernt habe, der Italiener ist – die ersten zwei Jahre haben wir uns nur auf Englisch unterhalten und geliebt, seither hab ich jeder Scheu vor der Sprache (und auch vor schlechtem Englisch *g*) verloren.

  12. „Appilukkiforfriedem“! Da war ich etwa neun.
    Aber meine Mutter hat uns immer Kleinigkeiten beigebracht wie Reime und Fingerspiele. Verstanden habe ich die , aber aussprechen konnte ich die nie…

    Und englisch lernen die Kinder heute schon im Kindergarten 😉 Mein großer lernt es seit anderthalb Jahren, erst in einem Extra zusätzlich im Kindergarten angebotenen Kurs den man bezahlen musste, jetzt ist es so, dass alle 4jährigen in der KiTa englisch lernen. Leider, muss ich sagen… Denn der Kurs, der war von einer Muttersprachlerin. Das war super und er hat einiges gelernt. Das was jetzt alle Kinder machen müssen ist von der Kindergartenleitung…äh..geleitet. Und die hat eine hundsmiserable Aussprache und ihre Grammatik ist zum fürchten… werde mich da beim Elternrat mal beschweren, denn direkt traue ich mich nicht der dazu sagen- das ist eine rachsüchtige alte Hexe, und ich habe Angst, dass meine Kinder dann darunter leiden… *seufz*
    Genug gejammert =)
    Meine Kinder „können“ also auch schon englisch. Und wenn sie mal keine Worte wissen nehmen sie eben das deutsche Wort und sprechen es quasienglisch aus =)

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