Der Franzose

Ich möchte euch mit einem sehr netten Menschen und einem sehr, sehr guten Schriftsteller bekannt machen:

Jean-Philippe Devise

Wie der Name schon sagt, ist Jean-Philippe Franzose. Er lebt in Deutschland und – das ist der Clou, der seine Bücher so anziehend macht – er schreibt auf deutsch.

Kennengelernt habe ich Jean-Philippe 1997. Da bekam er den Gerty-Spies-Literaturpreis. Ich sollte ihn interviewen, ich weiß nicht mehr, ob das für die Tageszeitung oder ein Stadtmagazin war, ich trieb mich journalistisch zu dieser Zeit ziemlich viel herum.

Wir konnten uns auf Anhieb gut leiden, auch Jean-Philippes Frau Eligia und seine beiden Töchter Judith und Marie nahmen mich sofort sehr herzlich auf und ich hatte einen wirklich schönen Nachmittag in Spirkelbach.

Jean-Philippe schenkte mir seine Bücher, die damals schon erschienen waren und ich verschlang sie zu Hause auf einen Happs. War begeistert. Der Humor und die Poesie Jean-Philippes sind nicht zu beschreiben, man muss sie selbst durch Lesen erfahren.

Das Schöne an ihm ist, dass er sich selbst nicht sehr ernst nimmt, dass er sich selbst wunderbar durch den Kakao ziehen kann – ein Besuch auf seiner Webseite ist allein schon wegen der Beschreibung seines Weges zum Schriftsteller lohnenswert.

Seine Frau ist Deutsche, er traf sie in Paris in der Metro, verliebte sich auf den ersten Blick in sie, setzte sich zu ihr und erklärte ihr, dass er sie heiraten würde. Sie lachte ihn aus. Die beiden sind immer noch glücklich miteinander.

Was mich immer wieder freut, ist: wir sehen uns selten und mit großen Zeitabständen. Und doch ist es jedesmal, als hätten wir uns gestern erst gesehen. Die Gespräche sind wunderbar und gehen von faszinierenden Sachthemen über tiefsinnige Philosophie bis zu Bemerkungen wie „Ich habe einen Tennistrainer. Ich war zwar lange selbst Tennistrainer, aber ich bin jetzt 50 und ich wollte nicht sterben, ohne eine gute Vorhand gehabt zu haben.“

Das war heute, Jean-Philippe hat mich an der Uni abgeholt und wir waren beim Inder essen. Zwischen diesem und dem letzten Essen liegen, glaube ich, drei oder vier Jahre – aber es war wie immer: als hätten wir gestern noch Kaffee miteinander getrunken.

Wir haben gequatscht, bis seine jüngere Tochter Marie ihn abholte – und ich konnte nicht fassen, dass ich so alt geworden bin: das hübsche Mädchen ist 16 … als ich sie zum ersten Mal traf, war sie vier und drückte mir im Garten eine in ihrer Kinderfaust zerquetschte Pfefferminzpflanze in die Hand.

Lasst euch die wunderbaren Geschichten dieses bemerkenswerten Franzosen nicht entgehen. Wenn ihr die Möglichkeit habt, ladet ihn zu einer Lesung ein. Oder, was auch großartig ist: bucht einen Französischkurs bei ihm. Diese Kurse sind der Knaller.

5 thoughts on “Der Franzose

  1. Ich bin zwar ein bisschen hinterher, hab mir aber auf Ihre Empfehlung ein Buch von Neil Gaiman gekauft. Verdict is still out, ich bin noch nicht durch die ‚American Gods‘.
    Interessant? Ja.
    Okay, ich werd mal sehen, ob ich den Herrn Franzosen hier in/auf englisch finde.
    Und viele liebe Gruesse!

  2. dein blog ist immer wieder eine berreichung in meinem leben. wollte ich mal gesagt haben.

    liebe gruesse von stephie (auf dem weg zur geliebten ostsee, du wirst gewohntermassen grüsse erhalten, keine frage!) 🙂

  3. Liebe Ruth, ich fürchte, den Franzosen gibt es nur auf Deutsch, er verlegt hier in einem ganz ganz kleinen regionalen Verlag.

    Stephie: viel Spaß!!! Viele Grüße an die schöne Ostsee!

  4. Ich frage mich bei der wirklichen netten Beschreibung nun: Abör spriescht Missiö Devies mit einöm fronsösischem Akzohn?

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