Ich schau dann mal in die Kristallkugel oder: Ja nee, is klar die 643.

*gna*

Stichwort: Buchhaltung.

Mein Chef hat jedes Jahr eine Bahncard 50, die er für Fahrten zu Konferenzen, Tagungen und Vorträgen nutzt.

Die diesjährige habe ich wie immer angefordert und die Rechnung mit Auszahlungsanordnung an die Kasse geschickt.

Anruf von der Buchhaltung:

B: „Ihr Chef muss die Bahncard selbst bezahlen, das kann die Firma nicht übernehmen.“

Lakritzefrau: „??? – Das ist immer vom Abteilungskonto gegangen…? Warum soll er Dienstfahrten privat bezahlen?“

B: „Ja, wenn die Firma das übernehmen soll, dann brauchen wir eine Aufstellung der Fahrten, die er in diesem Jahr machen wird.“

L: „Ähm… Sie meinen, ich nehme meine Kristallkugel, schaue hinein und sehe voraus, welche Einladungen zu welchen Tagungen mein Chef in diesem Jahr erhalten wird?!“

B (etwas kleinlaut): „Jaaa… so ähnlich…. wir müssen das wissen, er muss mindestens für 642 Euro fahren, das brauchen wir schriftlich.“ Und, mit beschwörend-hektischem Tonfall: „Das ist keine Schikane von uns, wir brauchen das so!“

Eigentlich tut mir die nette, eher schüchterne junge Frau ja leid, aber wie, bittesehr, soll ich im Februar voraussehen, welche Bahnfahrten für Cheffe in den kommenden zehn Monaten anfallen werden? Selbst wenn man die Einladungen und notwendigen Termine voraussehen könnte, die tatsächliche Teilnahme hängt ja auch noch von unterschiedlichen Faktoren ab:, gibt es Probleme mit den Kindern zu Hause, ist er krank, überschneiden sich Termine…

Ich lese der Dame vor, mit welchen Nummern welcher Auszahlungsanordnungen die Bahncards der letzten zwei Jahre einfach so, ohne Nachweis von Kristallkugelaktivitäten, bezahlt wurden. Kein Erfolg.

L: „Passen Sie mal auf. Ich schreibe Ihnen jetzt auf, dass Herr Chef in diesem Jahr, wie auch in den letzten Jahren, mehrmals nach Berlin, Bonn und München fahren wird. Und dass er die 642 Euro voraussichtlich aufbrauchen wird. Reicht das?“

„Ja“, sagt die junge Dame hörbar erleichtert, „das reicht.“

„Reicht es auch, wenn ich es unterschreibe, oder muss das Herr Chef persönlich tun?“

Der drohende Unterton in meiner Stimme veranlasst die junge Dame, mir eiligst zu versichern, dass meine Unterschrift völlig ausreiche.

Nun denn. Ich hab ihr den Wisch geschrieben und jetzt ist Ruhe bis Februar 2010. Mal gucken, was dann kommt. Über die Brücke gehe ich, wenn ich davor stehe.

Unglaublich, was so ein Scheiß an Zeit, Arbeitskraft und damit an Geld kostet. Echt unglaublich.

Und: mag sein, dass ich doof bin aber – die Bahncard 50 kostet 230 Euro. Also hätten wir bei Fahrten für 460 Euro doch den break-even-point?! Wie kommen die auf 642??? Aber ehrlich: ich will das lieber nicht wissen.

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8 Kommentare zu “Ich schau dann mal in die Kristallkugel oder: Ja nee, is klar die 643.

  1. au ja solche geschichten kenn ich von der uni an der mein schatz arbeitet auch
    augen zu und durch
    mir tun immer die leute leid die das dann durchsetzen müssen was sich irgendso einer aus den oberen etagen ausgedacht hat
    die bekommen meist den unmut der leute ab und können garnix für, im gegenteil für die is das ja auch mehr arbeit

    lg
    fio

  2. Holt euch doch eine echte Wahrsagerin mit Kristallkugel.
    Und wenn sie sich irrt, muss sie nicht nur die Differenz begleichen, sondern bekommt auch kein Honorar.

    Und wenn das alles nichts hilft, baller denjenigen mit Kristallkugeln zu, der sich diesen Blödsinn hat einfallen lassen. Dem tut nachher garantiert der Kopf so weh, dass er so schnell nicht wieder auf so dumme Ideen kommt.

  3. Bugdetierung nennt man das im Staatsdienst, Basel II in der freien Wirtschaft. Verlangt jede popelige Dorfbank inzwischen von unternehmerischen Schuldnern. Und sei es nur ein um zwofuffzig überzogenes Konto. Genehmigt natürlich. Also nichts ungewöhnliches. Trifft zu, was der Glaskugel entinterpretiert wurde, ist’s gut. Wenn nicht, auch.

    Schönen Vormontag wünscht

    Gina (die von Tag zu Tag froher ist, dass sie schon in Rente ist…)

  4. So, dank der netten Einladung dann also ich 🙂

    Mir scheint es so zu sein, daß die Verwaltung das nach Belieben festlegen darf, ein Kollege hier, nur eine Uni weiter, im selben Bundesland, kriegt seine BC nämlich schon, völlig problem- und kommentarlos und zu 100% bezahlt, wenn die Ersparnis gleich groß ist wie die Kosten für die Bahncard.

    War hier nämlich auch gerade Thema…

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